Citroën CX 25 GTi Turbo: C´est démon!
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Der CX: Krise auf höchstem Niveau
  von Jens Soltau
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in CX-Enthusiast und sein Lieblingsthema standen am Anfang meiner CX-Sucht. Wir standen den ganzen Tag in der Montagehalle neben- einander, und er erzählte in einer Tour nur von seinem Superschlitten.

"CX?" --- "Ja, musst Du Dich mal reinsetzen – echt das geilste Auto der Welt, gerade für uns Einsneunzig-Männer gibts nix Besseres!" --- "Aber das sind doch Franzosen, die sind unzuverlässig und rosten wie verrückt." --- "Ach was! Rost kennt der nicht; kauf Dir den Diesel, meiner hat schon 240 runter, den kriegst Du nicht kaputt. Und wenn Du erst mal dringesessen hast, willst Du nie mehr aussteigen. Außerdem kriegst Du den gebraucht für 'n Appel und 'n Ei..."

Irgendwie war ich da schon fast überzeugt. Ich war mal in einem (einer?) GS mitgefahren und das war ja auch schon ein ganz nettes Autochen gewesen – und vor allem: anders als alle anderen. Einstiegsdroge nennt man das wohl. Der tagelange Kontakt mit einem CX-Abhängigen hatte schwere Folgen: Die Sucht kam zum völligen Ausbruch, und ich zog auch noch meine Familie mit rein. Unser oller Datsun stand sowieso schon länger auf der Abschussliste, was also lag näher, als zum nächstgelegenen Citroën-Dealer zu fahren und sich den Stoff mal aus der Nähe anzuschauen. Es war sofort eine Überdosis: Der blau-metallene CX GTi Baujahr 1984, der dort für 2500 Mark feilgeboten wurde (anno 1990), drang sofort über die Blutbahn ins Hirn ein und legte die komplette Ratio lahm.
Nissan Bluebird
Datsun Bluebird · Baujahr 1983
Ollen Datsun abgegeben, paar Scheine obendrauf gelegt und raus auf den Kundenparkplatz. "Sie kennen sich aus mit dem Wagen?" "Ja, ja, wird schon gehen."
Außen: in geduckter Bogen, wie mit einem Pinselstrich hingeworfen. Die Proportionen stimmen aus jedem Blickwinkel, die enorme Motorhaube, die extrem schräge Windschutzscheibe, die relativ
Citroën CX 25 GTi 1983
Citroën CX 25 GTi · 1983
hohe Seitenlinie und das sanft abfallende Heck mit der nach innen gewölbten Heckscheibe, die fetten Räder auf GTi-Leichtmetallfelgen die hinten halb verdeckt sind – ein traumhaftes Dickschiff. Innen: ein Landschaftspanorama von einem Armaturenbrett, Einspeichenlenkrad, super- bequeme Sitzmöbel, Breite, Tiefe, Luxus pur. Alle anschnallen, los geht's. Zündschloss? Hat der gar keins? Ah doch, da, auf der linken Seite irgendwo in der Tiefe versteckt. Schlüssel rein. Drehen: Mäusekino an! Na ja, wegen der ganzen Lämpchen werde ich wohl später mal die Betriebsanleitung studieren müssen. Die zwei spacigen Lupeninstrumente können mich nicht verwirren: die kenne ich schon aus dem GS. Sitzposition: Perfekt. Ich muss mich nicht, wie sonst üblich, zusammenklappen, einzwängen, durchfädeln – einfach reinsetzen und fertig. Die Knie kollidieren nicht mit irgendwelchen Schaltern und Hebeln: Platz ohne Ende.

Motor anlassen. Dumpfes Grollen, irgendwie brummelig, röchelnd, hätte man sich bei so einem Schiff irgendwie anders vorgestellt; sanfter, geschmeidiger. Aber er hat eben nur vier Pötte. Von denen hat zwar jeder einzelne 625 Kubikzentimeter Hubraum (was für immensen Schub sorgt), aber ein Sechszylinder würde halt doch besser zum Charakter dieser Riesensänfte passen. Langsam hebt sich der Bug, dann das Heck: Hollywood!!! Kupplung treten, Gang rein. Ein riesig langer Schalthebel auf der Mittelkonsole. Die Gänge rücken willig ein, ich beschließe schon jetzt, dieses hässliche Gestänge erheblich zu kürzen, da keine erhöhten Hebelkräfte benötigt werden. Lenkung – defekt? Man kann am Lenkrad drehen, ohne daß man viel Gegenkraft spürt. Nein, alles in Ordnung, die Räder sind eingeschlagen.
CX Betriebsanleitung
Citroën CX · Betriebsanleitung
Langsam losfahren, Lenkrad allmählich loslassen – mit affenartiger Geschwindigkeit kehrt es in die Ausgangslage zurück und schwingt noch ein paar Mal hin und her – ich werde Wochen brauchen, mich daran zu gewöhnen. Aber hier, genau an der Ausfahrt des Autohauses trete ich vor Überraschung erst mal voll in die Bremse – zweiter Fehler! Hochdruckbremse: alle fliegen nach vorne – gottseidank sind alle angeschnallt! Wenn man erst einmal die ganzen Skurrilitäten dieses Wagens kennen und mehr oder weniger schätzen gelernt hat, ist der CX ein Automobil wie jedes andere auch: es transportiert bis zu fünf Personen von A nach B. Aber die Art und Weise, auf welche dieser Transport erfolgt, ist wirklich unvergleichlich.
Man schwebt in diesem Wagen, von Rollen ist nichts zu spüren. Der Weg ist das Ziel. Man fühlt sich von Luxus umgeben und der Welt entrückt. Erst der Besuch an der Zapfsäule bringt einen jäh auf den Boden der grausamen Tatsachen zurück: 25 Liter können es schon gerne mal sein, die auf 100 vorbeischwebenden Kilometern durch die (wohl defekte) Einspritzanlage pfeifen. Sicher, 1990 kostete der Sprit noch die Hälfte des heutigen Preises, aber ein alltagstaugliches Fahrzeug sollte bescheidener sein – auch in Hinsicht auf Werkstattkosten. Die erste Inspektion bringt den Schock: über tausend Deutsche Mark, fast die Hälfte des Anschaffungspreises. Als Nichtschrauber hat man beim CX nichts zu lachen. Beispiel Luftfilter wechseln: 120 Mark. Wieso? Der Mechaniker öffnet die gewaltige Haube und weist auf eine tief unten seitlich angebaute Kiste: Der Luftfilter ist kaum zu erreichen. Um die Motorhaube möglichst flach zu gestalten, wurde der Motor quer und geneigt eingebaut und alle Anbauaggregate irgendwo reingewurschtelt, wo noch ein paar Zentimeter Platz waren: der Albtraum jedes Mechanikers. Und obendrauf thront auch noch das (vollwertige) Reserverad; ob das dem Gummi auf die Dauer gut bekommt?
Der nächste Schock: Bei ca. 160 km/h in einer leichten, aber langgezogenen Autobahnkurve merkte ich, daß die Lenkung völlig schwammig wurde. Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt (das geht!). Also runter vom Gas, Spur halten und mit der schwabbeligen Lenkung zum Dealer. Diagnose: Die Welle des Fliehkraftreglers, der für die Verhärtung der Lenkung bei steigender Geschwindigkeit zuständig ist, hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst. Kleine Ursache, große Wirkung. Ich nehme heute noch instinktiv das Gas weg, wenn ich mal wieder an der Stelle vorbeikomme... Ein Jahr lang währte meine Begegnung mit diesem Auto der höheren Art, dann ging alles ziemlich schnell. Irgendwas hatte sich im Getriebe verhakelt; auf jeden Fall ließ sich plötzlich nur noch der Rückwärtsgang einlegen. Einen Citroën dieser Bauart kann
man nicht einfach abschleppen, er würde mit dem Bauch über den Boden schleifen – zumindest hätte er keinerlei Federung.
CX 25 GTi Kat 1989
Zweiter Versuch:
CX 25 GTi Kat Baujahr 1989
Also den Dealer anrufen (der einzige, der immer mit dem Tieflader herumfährt) und Auto in die Werkstatt bringen lassen.
Nach eingehender Untersuchung wurde mir ein Kostenvoranschlag in Höhe des Anschaffungspreises eröffnet: Game over! Man sieht also: die Beziehung zu einem CX basiert nicht auf einem allmählichen Annähern, Kennenlernen und Vertrauen fassen. Es ist bedingungsloser und wilder Sex! Und wenn Du zu merken beginnst, daß sie Dich nur ausnützt und Deine Liebe nicht erwidert, ist sie mit Deinem ganzen Geld schon über alle Berge. Was bleibt, ist ein Gefühl der Sehnsucht, weil keine andere Dir das geben kann.
Nach einem Jahr Entzug (mit einem BX 19 GTi) bekam ich meine zweite Dosis CX in Form eines 89er GTi Kat in silbergrau. Das schönste Auto, das ich je hatte. Ich hätte es mir denken können: nach nur einem Jahr war sie mit meinem ganzen Geld über alle Berge. Damals schwor ich hoch und heilig: nie wieder CX! Aber irgendwo da tief drinnen schwelt immer noch diese Sehnsucht...



(NOT to be continued)
© 2005 Jens Soltau, Gelsenkirchen
(01/06)
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