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| Der CX: Krise
auf
höchstem Niveau |
| von
Jens Soltau |

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in CX-Enthusiast und sein Lieblingsthema
standen am Anfang
meiner CX-Sucht. Wir standen den ganzen
Tag in der
Montagehalle neben- einander, und er erzählte in einer Tour
nur von
seinem Superschlitten. |
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| "CX?" --- "Ja, musst Du Dich mal
reinsetzen – echt das
geilste Auto der Welt, gerade für uns
Einsneunzig-Männer
gibts nix Besseres!" --- "Aber das sind doch Franzosen, die sind
unzuverlässig und rosten wie verrückt." --- "Ach was!
Rost
kennt der nicht; kauf Dir den
Diesel, meiner hat schon 240 runter, den kriegst Du nicht kaputt. Und
wenn Du erst mal dringesessen hast, willst Du nie mehr aussteigen.
Außerdem kriegst Du den gebraucht für 'n Appel und
'n Ei..." |

Irgendwie
war ich da schon fast überzeugt. Ich
war mal in einem (einer?) GS mitgefahren und das war ja auch schon
ein ganz nettes Autochen gewesen – und vor allem: anders als
alle
anderen. Einstiegsdroge nennt man das wohl. Der tagelange Kontakt mit
einem CX-Abhängigen hatte schwere
Folgen: Die Sucht kam zum völligen
Ausbruch, und ich zog auch
noch meine Familie mit rein. Unser oller
Datsun stand sowieso schon
länger auf der Abschussliste, was also lag näher, als zum
nächstgelegenen Citroën-Dealer
zu fahren und sich
den Stoff
mal aus der Nähe anzuschauen. Es war sofort
eine Überdosis: Der
blau-metallene
CX GTi Baujahr 1984, der dort für 2500 Mark feilgeboten wurde
(anno 1990), drang sofort über die Blutbahn ins
Hirn ein und
legte die komplette Ratio lahm.
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| Datsun
Bluebird · Baujahr 1983 |
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Ollen
Datsun
abgegeben, paar Scheine obendrauf gelegt und
raus auf den Kundenparkplatz. "Sie kennen
sich aus mit dem Wagen?" "Ja, ja, wird schon gehen." |
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Außen: in
geduckter
Bogen, wie
mit einem
Pinselstrich hingeworfen. Die Proportionen
stimmen aus jedem
Blickwinkel, die enorme Motorhaube, die extrem schräge
Windschutzscheibe, die relativ
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| Citroën CX 25 GTi · 1983 |
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hohe
Seitenlinie und das sanft
abfallende Heck mit der nach innen gewölbten Heckscheibe, die
fetten Räder auf GTi-Leichtmetallfelgen die hinten halb
verdeckt sind – ein traumhaftes
Dickschiff. Innen: ein Landschaftspanorama von
einem
Armaturenbrett, Einspeichenlenkrad, super- bequeme Sitzmöbel,
Breite, Tiefe, Luxus pur. Alle anschnallen, los geht's.
Zündschloss?
Hat der gar keins? Ah doch, da, auf der linken Seite irgendwo in der
Tiefe versteckt. Schlüssel rein. Drehen: Mäusekino
an! Na
ja, wegen der ganzen Lämpchen werde ich wohl später
mal die
Betriebsanleitung studieren müssen. Die zwei spacigen
Lupeninstrumente können mich nicht verwirren: die kenne ich
schon aus dem GS. Sitzposition: Perfekt. Ich muss mich nicht, wie
sonst üblich, zusammenklappen, einzwängen,
durchfädeln
– einfach reinsetzen und fertig. Die Knie kollidieren nicht
mit
irgendwelchen Schaltern und Hebeln: Platz ohne Ende. |
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Motor
anlassen.
Dumpfes
Grollen, irgendwie
brummelig, röchelnd, hätte man sich bei so einem
Schiff
irgendwie anders vorgestellt; sanfter, geschmeidiger. Aber er hat
eben nur vier Pötte. Von denen hat zwar jeder einzelne 625
Kubikzentimeter Hubraum (was für immensen Schub sorgt), aber
ein
Sechszylinder würde halt doch besser zum Charakter dieser
Riesensänfte passen. Langsam hebt sich der Bug, dann das Heck:
Hollywood!!! Kupplung treten,
Gang rein. Ein riesig langer Schalthebel auf der Mittelkonsole. Die
Gänge rücken willig ein, ich beschließe
schon jetzt,
dieses hässliche Gestänge erheblich zu
kürzen, da keine
erhöhten Hebelkräfte benötigt werden.
Lenkung –
defekt? Man kann am Lenkrad drehen, ohne daß man viel
Gegenkraft
spürt. Nein, alles in Ordnung, die Räder sind
eingeschlagen.
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| Citroën
CX ·
Betriebsanleitung |
Langsam losfahren,
Lenkrad
allmählich loslassen
–
mit affenartiger Geschwindigkeit kehrt es in die Ausgangslage
zurück
und schwingt noch ein paar Mal hin und her – ich werde Wochen
brauchen, mich daran zu gewöhnen. Aber
hier, genau an der
Ausfahrt des Autohauses trete ich vor Überraschung erst mal
voll
in die Bremse – zweiter Fehler! Hochdruckbremse:
alle fliegen nach
vorne – gottseidank sind alle
angeschnallt! Wenn
man erst einmal die ganzen
Skurrilitäten
dieses Wagens kennen und mehr oder weniger schätzen gelernt
hat,
ist der CX ein Automobil wie jedes andere auch: es transportiert bis
zu fünf Personen von A nach B. Aber die Art und Weise, auf
welche dieser Transport erfolgt, ist wirklich unvergleichlich. |
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Man
schwebt in diesem Wagen, von Rollen ist nichts zu spüren.
Der Weg ist das Ziel. Man fühlt sich von
Luxus umgeben und der
Welt entrückt. Erst der Besuch an der
Zapfsäule bringt einen
jäh auf den Boden der grausamen Tatsachen zurück: 25 Liter können
es schon gerne mal sein, die auf 100 vorbeischwebenden
Kilometern durch die (wohl defekte) Einspritzanlage pfeifen. Sicher,
1990
kostete der Sprit noch die Hälfte des heutigen Preises, aber
ein
alltagstaugliches Fahrzeug sollte bescheidener sein – auch in
Hinsicht auf Werkstattkosten. Die erste Inspektion bringt den Schock:
über
tausend Deutsche Mark, fast die Hälfte des
Anschaffungspreises.
Als Nichtschrauber hat man beim CX nichts zu lachen. Beispiel Luftfilter wechseln: 120 Mark. Wieso? Der
Mechaniker öffnet die
gewaltige Haube und weist auf eine tief unten seitlich angebaute
Kiste: Der Luftfilter ist kaum zu erreichen. Um
die Motorhaube
möglichst flach zu gestalten, wurde der Motor quer und geneigt
eingebaut und alle Anbauaggregate irgendwo
reingewurschtelt, wo noch
ein paar Zentimeter Platz waren: der
Albtraum jedes Mechanikers. Und
obendrauf thront auch noch das (vollwertige) Reserverad; ob das dem
Gummi auf die Dauer gut bekommt?
Der
nächste Schock:
Bei ca. 160
km/h in einer
leichten, aber langgezogenen Autobahnkurve merkte ich, daß
die
Lenkung völlig schwammig wurde. Mir wurde gleichzeitig
heiß
und kalt (das geht!). Also runter vom Gas, Spur halten und mit der
schwabbeligen Lenkung zum Dealer. Diagnose: Die Welle des
Fliehkraftreglers, der für die Verhärtung der Lenkung
bei
steigender Geschwindigkeit zuständig ist, hatte
sich in
Wohlgefallen aufgelöst. Kleine Ursache, große
Wirkung. Ich
nehme heute noch instinktiv das Gas weg, wenn ich mal wieder an der
Stelle vorbeikomme... Ein Jahr lang währte
meine Begegnung mit diesem
Auto der höheren Art, dann ging alles ziemlich schnell.
Irgendwas hatte sich im Getriebe verhakelt; auf jeden Fall
ließ
sich plötzlich nur noch der Rückwärtsgang
einlegen. Einen Citroën dieser Bauart kann |
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(01/06) |
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